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DER NET-NEWS ROUND TABLE

Die vier Gesprächsteilnehmer wurden von Frank Puscher einzeln befragt. Ihre Antworten wurden mit ihrer Zustimmung zu einem virtuellen Stammtisch zusammengefügt und an einigen Stellen sinnvoll gekürzt.

Evolution statt Revolution

Nachdem die Web2-Euphorie abgekühlt ist, gehen die Agenturen nun daran, ihre Kunden vom Wert der neuen Konzepte zu überzeugen


Hansjörg Zimmermann
Gründer Das Goldene Vließ
NetNews: Die W&V titelte im Dezember: Die Web2-Euphorie kühlt ab. Sind zum Beispiel Blogs eine Modeerscheinung?

Hansjörg Zimmermann, Das Goldene Vlies: Natürlich werden viele Blogs überleben, wo sich kleinste familiäre Gruppen auch in Zukunft austauschen werden. Ich halte Blogs für keine Modeerscheinung sondern für ein dauerhaftes Kommunikationstool privater wie geschäftlicher Natur. Allerdings wird das Thema Blogs viel zu stark überbewertet. Verlage werden auch in Zukunft guten Journalismus betreiben, allerdings werden sie unter kritischer Beobachtung ihrer Leser/User stehen.


Mathias Berger,
Gründer Berger Baader Hermes
Mathias Berger, Gründer Berger Baader Hermes: Blogs brauchen zuerst mal keine hohe Reichweite. Selbst wenn den eigenen Blog nur ein paar Freunde lesen, ist der Autor bereits zufrieden. Und dies ist keine Modeerscheinung sondern eine gesellschaftliche Veränderung. Jeder hat ganz einfach die Möglichkeit eine Art täglichen Leserbrief zu verfassen und mit anderen zu diskutieren.
Und mit Glück wird der Blog ein lukratives Nebeneinkommen.

Tommi Brem, Konzeptioner bei Dorten: In bestimmten Nischen werden die Großwildjäger mit Sicherheit wildern und sich auch den einen oder anderen privaten Blogger kaufen. Doch die 'Großen' werden sich schwer tun, eines zu ersetzen: die private Atmosphäre. Sie ist es, die das Bloggen ausmacht, nicht die Technologie und meist auch nicht der Inhalt. Der nächste Faktor, der für einen Rückgang sorgen wird, ist das, was nach den Blogs kommt. Was wird das sein?

NetNews: Was muss ein Unternehmen tun, um 2007 von Web2 zu profitieren?

Zimmermann: Da gelten die gleichen Regeln wie in der klassischen Öffentlichkeitsarbeit. Das Gegenteil von Siemens tun, dann liegen die Verantwortlichen richtig.

Berger: Bei großen Unternehmen wie unserem Kunden Sun Microsystems, betreibt der Gründer bereits seit einigen Jahren einen hochfrequentierten eigenen Blog für seine Mitarbeiter und Kunden. Ganz persönlich, offen und sehr gut geschrieben. Seit Mitte des Jahres sind fast alle Produkte von Sun auf der eigenen Website von Usern kommentierbar. Andere Firmen wie z.B. Nokia fordern User in einem Wettbewerb auf, Produktideen einzureichen. Grundsätzlich gilt die transparente Öffnung der Strategien aufgrund der Demokratisierung der User nicht für alle Marken gleich. Hier sollten die Agenturen gut beraten. Unternehmen sollten ihre Twinsumer finden, zum Beispiel durch den Aufbau einer Community, und dann gemeinsam mit diesen Usern Produkte und Kampagnen entwerfen. Es bedarf wesentlich mehr, als nur einen Blog zu schreiben.


Michael Volkmer,
Gründer von Scholz und Volkmer
Michael Volkmer, Gründer von Scholz und Volkmer: Der User von ehemals entwickelt sich also vom Empfänger zum aktiven Teilnehmer. Und genau an diesem Punkt wird es spannend, denn es wird interagiert, etwas kommt zurück. Ein Unternehmen, das sich öffnet, kann mit den eingehenden Informationen z.B. seine Produkte optimieren oder neue Dinge kreieren.

NetNews: Wie bringt man User dazu, sich zu beteiligen?

Berger: Wie schon bei allem, was Marken tun. Es muss passen und aus dem Markenkern bzw. dessen Werten abgeleitet werden können. Wenn eine Marke wie Jägermeister Musik herausgibt oder ein Webradio startet, passt das sehr gut zum Thema Feiern.

Volkmer: Im Grunde sind es zwei Faktoren. Das Interessensgebiet muss beim Empfänger ankommen. Bei technischen Produkten können das Entwicklungsdetails sein, bei Konsumgütern auch Spaß-Elemente wie die Musik-Downloads Mixed Tape bei Mercedes.
Zweitens haben die Menschen ein Bedürfnis, mit anderen in Kontakt zu treten. Diesen Dialog muss das Unternehmen offen und fair unterstützen. Der Einsatz von Goodies führt unserer Erfahrung nach dazu, dass sich User beteiligen, die primär am Goodie, nicht aber an der Marke interessiert sind.

NetNews: Müssen sich Firmensites von Usern mit Diensten wie iKarma bewerten lassen?

Berger: Die Kombination verschiedenster Labels von Stiftung Warentest über Ciao und Doyoo sowie iKarma bis hin zum Urteil eines Users werden den Unterschied ausmachen. Die Zielgruppe wird individuell entscheiden, welches Label für ihn das glaubwürdigste ist.


Tommi Brem,
Konzeptioner bei Dorten
Brem: Warum baut man so etwas nicht gleich bei openBC, Verzeihung, bei: XING ein? Da wäre es relevant. Ein ähnliches Problem haben Plattformen wie Ciao und Doyoo auch. Amazon und Ebay sind sicherlich die besten Vorbilder: Bewertungen von Produkten und Personen da, wo sie relevant sind.

NetNews: Wird es den Unternehmen gelingen, mit Web2 Geschäfte zu machen?

Brem: Ich glaube, dass viele den Aufwand unterschätzen, der entsteht, wenn man diese offene Kommunikation haben will. Die meisten Unternehmen sind das gar nicht gewöhnt, haben sich die letzten 100 Jahre eingeschlossen und jetzt sollen die auf einmal mit tausenden Leuten sprechen, die unter Umständen derbe vom Leder ziehen? Das kann nicht gut gehen.

Volkmer: Wenn die Möglichkeiten richtig eingesetzt werden auf jeden Fall. Leider haben viele Unternehmen Probleme mit einer weitergehenden Öffnung der Kommunikation. Dabei zeigen zahlreiche Beispiele bereits, dass das auch kommerzielle Effekte bringt. Aber vielleicht ist bei manchen Unternehmen der Druck noch nicht groß genug.

NET DATA

Tägliches PDF von W&V

Seit Anfang Februar bieten die Macher der W&V einen neuen Service. Täglich erscheint ein zwei Seiten langes PDF mit aktuellen Kurzinformationen und kleineren Artikeln. Der Europa-Fachpresseverlag bietet einen bunten Strauß aus allen Heftthemenbereichen für ganz Eilige. Redaktionsschluss ist 11.45 Uhr. Das Abo kostet 48 Euro im Jahr für Bezieher der Printausgabe und 60 Euro für alle anderen.

http://www.wuv.de/daily/

Mehr als T-Shirts

Durch drei Zukäufe verstärkt sich Spreadshirt. Die Plattformen La Fraise, Sozeugnet (beide Frankreich) und Dawanda veräußern kunsthandwerkliche Erzeugnisse von Profis oder ambitionierten Amateuren. Verbunden mit Spreadshirts White-Label-Shop und den Personalisierungsfunktionen, dringt Spreadshirt erstmals in das Segment der hochwertigen Geschenke und Werbemittel vor.

http://www.spreadshirt.net/

United Internet bleibt vorn

Im dritten Quartal 2006 konnte SevenOne Interactive seine Reichweite um eine Million Benutzer auf 10,5 steigern und erreicht damit einen Anteil von 28,7 Prozent. Laut AGOF Internet Facts III ließen alle anderen Vermarkter im Ergebnis nach. United Internet behauptet sich an der Spitze mit 49 Prozent, Interactive Media erreicht 40,8 Prozent und Tomorrow-Focus erreicht 32,7 Prozent der Benutzer. Auf Seiten der Portale rangiert T-Online mit 13,3 Millionen Benutzern vor Web.de mit 11,1 Millionen und MSN mit 9,9 Millionen. Auch bei der aktuellen IVW-Zählung heißt der große Gewinner ProSiebenSat1. Dank einer Reihe von Zukäufen und verstärkten Aktivitäten im Segment Online-Video stiegen die gemessenen Seitenabrufe von 648 Millionen im Januar 2006 auf über zwei Milliarden im Januar dieses Jahres.

http://www.agof.de/

Mehr Marketing 2007

Einer Umfrage der Zeitschrift InternetHandel unter 112 Onlinehändlern zufolge, werden die Budgets für Online-Werbung in diesem Jahr weiter steigen. 39,3 Prozent der Befragten erwägt einer moderate Steigerung der Spendings, 17,9 Prozent wollen deutlich mehr Geld in die werbung stecken. Das beliebteste Werbemittel im Netz bleiben auch weiterhin die Affiliateprogramme. 78,6 Prozent der befragten Händler setzen Partnerprogramme ein.

http://www.hsid.de/

39 Netzminuten am Tag

Die SWR-Medienforschung ermittelte in ihrer aktuellen Studie zum Informationsverhalten der Bundesbürger, dass die Deutschen im Schnitt 39 Minuten täglich im Netz verbringen. 23 Prozent der Deutschen nutzen das Internet jeden Tag. Das sind nach wie vor deutlich weniger als Fernsehen (86%), Radio (77%) und Tageszeitung (47%).

http://www.mediendaten.de/