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Der Kampf um den Film

Plattformen wie YouTube oder MyVideo sind die Highflyer des Augenblicks, operieren aber auf einem schmalen Grat.


Virales Marketing oder einfach nur geklaut: Coke-Spot auf YouTube
Auf einer Web-2-Konferenz in Berlin zeichnete ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender den Trend nach: Der aktuelle Animationsfilm 'Der Bonker' von Walter Moers wurde von mehr Zuschauern aus dem Netz geladen, als im TV gesehen.

Video rocks the web. Der Branchenverband Bitcom ermittelte, dass im ersten Halbjahr 2006 160.000 bezahlte Filme von Deutschen aus dem Netz geladen wurden. Bis 2009 rechnet der Verband mit einem Marktvolumen von 300 Millionen Euro für Europa. Premiere verkauft Bundesligaspiele live übers Web, In2Movies verkauft in Deutschland Filme und Serien für Twentieth Century Fox und spätestens der Markteintritt der beiden Schwergewichte Amazon und Apple ins Video-on-demand-Geschäft setzt ein sichtbares Zeichen für die Bedeutung dieses Themas.

Noch dynamischer präsentiert sich der Free Content: Die deutsche Plattform MyVideo, an der sich ProSieben/Sat1 jüngst beteiligte, verzeichnet eigenen Angaben zufolge eine Million Downloads täglich. YouTube schrieb im Juli laut Comscore 16 Millionen Besucher und wuchs damit im Vergleich zum Vormonat um satte 20 Prozent.

Auch beim Thema User generated Video zeigt die Liste der Neueinsteiger ein Who-is-who der Branche: AOL, Microsoft, Yahoo und hierzulande RTL mit Clipfish und ProSieben/Sat1 mit Sevenload mischen kräftig mit, um Benutzern Tauschplattformen für Selbstgedrehtes oder zumindest Selbstgeschnittenes anzubieten. Google übernimmt YouTube für satte 1,6 Mrd. Dollar. Yahoo akquirierte die Videoschnittplattform Jumpcut um die eigenen User-Plattformen del.icio.us oder Flickr mit Filmtechnik aufzuwerten.

Die Lust der User am Film ist groß. Ob es immer der eigene Film sein muss, steht auf einem anderen Blatt. Als größter Propagandist der Szene sah sich YouTube bereits im Juli wegen Verletzung von Urheberrechten am Pranger der Filmindustrie. Branchenriese Vivendi erstritt mit der Napster-Klage Forderungen gegen Bertelsmann. Kurz darauf kauften die Franzosen die Bertelsmann-Musiksparte BMG. Und auch gegen Google wurden Klagen angestrengt, unmittelbar nachdem die Übernahme von YouTube offiziell wurde. Offenbar warteten die Anwälte nur auf entsprechendes Signal.

Angesichts der aktuellen Rechtsprechung in Sachen Forenhaftung, balancieren die Anbieter offener Video-Tauschsysteme auf Messers Schneide. Urheberrechtsverletzungen können zur Schließung der Dienste führen und erhebliche Schadenersatzforderungen nach sich ziehen. Anders als bei Bilder-Tauschdiensten ist die Herstellung qualitativ hochwertigen Videomaterials nur von wenigen Usern zu leisten. Medienanwalt Jörg Heidrich gegenüber dem Branchenblatt c´t: 'Diese Dienste sind ein rechtliches Minenfeld. Auch im Fernsehen gesendete Inhalte dürfen nicht neu veröffentlicht werden und selbst das Privatvideo vom Nachbarn kann dessen Persönlichkeitsrechte verletzen, wenn dieser sein Einverständnis zur Veröffentlichung nicht erklärt hat.'

Wohl dem Unternehmen, das heute bereits die virale Kraft des Systems nutzt. Warner Brothers stellt die Nutzung des Clip-Materials für Privatvideos frei. Bei einer Veröffentlichung geschützten Materials auf YouTube, will das Unternehmen Werbeeinnahmen an die Rechteinhaber ausschütten. Ein interessanter Ansatz.

NET DATA

Tägliches PDF von W&V

Seit Anfang Februar bieten die Macher der W&V einen neuen Service. Täglich erscheint ein zwei Seiten langes PDF mit aktuellen Kurzinformationen und kleineren Artikeln. Der Europa-Fachpresseverlag bietet einen bunten Strauß aus allen Heftthemenbereichen für ganz Eilige. Redaktionsschluss ist 11.45 Uhr. Das Abo kostet 48 Euro im Jahr für Bezieher der Printausgabe und 60 Euro für alle anderen.

http://www.wuv.de/daily/

Mehr als T-Shirts

Durch drei Zukäufe verstärkt sich Spreadshirt. Die Plattformen La Fraise, Sozeugnet (beide Frankreich) und Dawanda veräußern kunsthandwerkliche Erzeugnisse von Profis oder ambitionierten Amateuren. Verbunden mit Spreadshirts White-Label-Shop und den Personalisierungsfunktionen, dringt Spreadshirt erstmals in das Segment der hochwertigen Geschenke und Werbemittel vor.

http://www.spreadshirt.net/

United Internet bleibt vorn

Im dritten Quartal 2006 konnte SevenOne Interactive seine Reichweite um eine Million Benutzer auf 10,5 steigern und erreicht damit einen Anteil von 28,7 Prozent. Laut AGOF Internet Facts III ließen alle anderen Vermarkter im Ergebnis nach. United Internet behauptet sich an der Spitze mit 49 Prozent, Interactive Media erreicht 40,8 Prozent und Tomorrow-Focus erreicht 32,7 Prozent der Benutzer. Auf Seiten der Portale rangiert T-Online mit 13,3 Millionen Benutzern vor Web.de mit 11,1 Millionen und MSN mit 9,9 Millionen. Auch bei der aktuellen IVW-Zählung heißt der große Gewinner ProSiebenSat1. Dank einer Reihe von Zukäufen und verstärkten Aktivitäten im Segment Online-Video stiegen die gemessenen Seitenabrufe von 648 Millionen im Januar 2006 auf über zwei Milliarden im Januar dieses Jahres.

http://www.agof.de/

Mehr Marketing 2007

Einer Umfrage der Zeitschrift InternetHandel unter 112 Onlinehändlern zufolge, werden die Budgets für Online-Werbung in diesem Jahr weiter steigen. 39,3 Prozent der Befragten erwägt einer moderate Steigerung der Spendings, 17,9 Prozent wollen deutlich mehr Geld in die werbung stecken. Das beliebteste Werbemittel im Netz bleiben auch weiterhin die Affiliateprogramme. 78,6 Prozent der befragten Händler setzen Partnerprogramme ein.

http://www.hsid.de/

39 Netzminuten am Tag

Die SWR-Medienforschung ermittelte in ihrer aktuellen Studie zum Informationsverhalten der Bundesbürger, dass die Deutschen im Schnitt 39 Minuten täglich im Netz verbringen. 23 Prozent der Deutschen nutzen das Internet jeden Tag. Das sind nach wie vor deutlich weniger als Fernsehen (86%), Radio (77%) und Tageszeitung (47%).

http://www.mediendaten.de/